Karl-Pfaff-Siedlung

Karl-Pfaff-Siedlung

Instrumentenmacher waren einst in Kaiserslautern gefragte Leute.

So auch der Kaiserslauterer Bürger Johannes Pfaff (1776 – 1829) dessen sechs von sieben Söhnen Instrumentenmacher und Musiker waren, darunter Georg Michael Pfaff (1823 – 1893) der sich auf Blechinstrumente spezialisierte. Im Jahre 1851 reiste Georg Michael Pfaff mit seinen Musikinstrumenten zur Weltausstellung nach London. Dort studierte er eine neue Maschine, die nähen konnte. Damit war in seinen Gedanken die Pfaff Nähmaschine geboren. 1862 baute er seine erste Nähmaschine. Am 18. März 1875 wurde der Kranken-Unterstützungs-Verein, eine zu dieser Zeit einmalige soziale Einrichtung, gegründet. Zwischen 1892 und 1901 erfolgte der Umzug in das neue Fabrikgelände am Westrand von Kaiserslautern. Im Jahre 1910 baute Pfaff die millionste Nähmaschine. Als einziger männlicher Erbe übernahm Georg Pfaff die Firmenleitung. Aus Anlass des 50jährigen Firmenjubiläums im Jahre 1912 erhielt die Belegschaft eine Jubiläumsspende von 500 000 Goldmark. Mit dem Tod von Georg Pfaff am 21. April 1917 übernahm seine Schwester Caroline (Lina) Pfaff sie Leitung des Werkes. Ihrer Initiative verdankt die Öffentlichkeit das "Pfaffdorf" auf der Galgenschanze, erbaut von 1922 – 1924 und das ehemalige Pfaff-Bad aus dem Jahr 1924 . In der Geschichte der Firma Pfaff nahm das Jahr 1926 eine entscheidende Rolle ein. Lina Pfaff führte im Mai 1926 das Werk, bisher ihr Privatbesitz, in die Form einer Familien-Aktiengesellschaft über, blieb aber Vorsitzende des Aufsichtsrates. Ihr Neffe Karl Pfaff wurde von ihr zum leitenden Direktor und Vorstandsmitglied berufen. Lina Pfaff brachte ihr Vermögen in die neue Gesellschaft ein. Die Belegschaft zählte 2600 Mitarbeiter, 1927 wurde die zweimillionste Nähmaschine ausgeliefert. Die Pensionskasse wurde gegründet. 1935 wurde die dreimillionste Pfaff-Nähmaschine hergestellt. 1944 zerstörten Luftangriffe das Werk fast völlig. Nach dem Wiederaufbau (bis in das Jahr 1952) und einer Werkserweiterung wurden täglich tausend Nähmaschinen hergestellt. Nach erfolgreicher 26jähriger Tätigkeit starb Karl Pfaff am 15. August 1952. Bis Ende 1986 beschäftigte die Firma Pfaff weltweit 9800 Mitarbeiter. Im Jahre 1953 beschloss die Hauptversammlung der Nähmaschinenfabrik Pfaff keine Dividenden auszuschütten, sondern zum Gedenken an den verstorbenen Chef des Unternehmens, Karl Pfaff, eine Sonderrücklage von 750 000 Mark zum Bau einer Werkssiedlung anzulegen. Dies war die Geburtsstunde der Karl-Pfaff-Siedlung. Kurt Dick, Redaktionsmitglied des Bännjerrückboten, beschrieb in der Herbstausgabe 2008 des Bännjerrückboten die Entstehung der Karl-Pfaff-Siedlung. "Am 11. September 1953 begann man mit dem ersten Bauabschnitt und schon am 29. Juli des folgenden Jahres konnten in einer kleinen Einweihungsfeier die ersten Häuser ihrer Bestimmung übergeben werden." Sowohl die Finanzierung des Bauvorhabens als auch die Vergabe der Häuser an die Betriebsangehörigen erfolgte auf ungewöhnliche Art. Die Pfaff AG händigte sämtlichen Belegschaftsmitgliedern Darlehensbücher aus mit Forderungen an die Firma, gestaffelt nach der Dauer der Werkszugehörigkeit. An die Zuteilung dieser Forderung knüpfte sich die Bedingung, dass der Inhaber sie Darlehensweise auf die Karl-Pfaff-Siedlungs-GmbH verzinslich überträgt. Nach Abschluss des gesamten Siedlungsprojektes wurden die durch Mieten und Kauf eingehenden Gelder zur Deckung der Forderungen der Betriebsangehörigen gegen die Karl-Pfaff-Siedlungs-GmbH verwandt. Die Auswahl der Siedler erfolgte nach einem ausgeklügelten Punktesystem. Berücksichtigt wurden die Dauer der Betriebszugehörigkeit, die Größe der Familie sowie schlechte oder unzulängliche Wohnverhältnisse. Erstellt wurden 160 Einfamilienhäuser, Doppelhäuser oder Dreierblocks. Alle hatten einen kleinen Garten, von Ligusterhecken eingefasst. Diese exakt geschnittenen Hecken prägten das Bild der Siedlung und waren der Stolz der "Pfaffianer". Die Karl-Pfaff-Siedlung wurde erbaut zum Dank und zur Anerkennung für alle diejenigen, die durch harte Arbeit und unter schwierigen Bedingungen treu zum Werk gestanden und an seinem Wiederaufbau tatkräftig mitgeholfen hatten, den Pfaff-Betriebsangehöriggen.


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